Die Geschichte des Puppenspiels

Das Spiel mit der Puppe ist sicherlich so alt wie die Menschheit. Deshalb gilt die Puppe, lange bevor sie bewusst zur theatralischen Darstellung verwendet wurde, als das erste magische Instrument der Religion – Sinnbild übernatürlicher Vollkommenheit in der Einbildungskraft des Menschen. Was ihr die Faszination verleiht, ist der Spielraum, den sie der Fantasie des Menschen eröffnet.

Wo und wann aus dem Spiel mit der Puppe Figurentheater wurde, wissen wir nicht. In einem ägyptischen Grab, datiert 2000 vor Christus, hat man Gliederpuppen gefunden; ob sie als Spielzeug oder für theatralische oder kultische Zwecke verwendet wurden, bleibt Vermutung. Ob das Figurenspiel von Ost nach West oder umgekehrt Verbreitung fand, oder die verschiedenen Völker unabhängig voneinander die verschiedensten Formen entwickelten, ist ebenfalls nicht belegt. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen über theatralisches Spiel mit Puppen stammen aus Griechenland von Xenophon um 422 v. Chr. Nach Europa kam es erstmals in all jene Länder, die von den Römern erobert wurden.

Es gibt Quellen, dass von Afrika und dem maurischen Spanien im 13. und 14. Jahrhundert eine Wanderbewegung in die Provence und nach Frankreich einsetzte, die im 15. Jahrhundert ganz Europa erfasste. Berufsschauspieler, meist auch Quacksalber und Zahnärzte, zogen von Stadt zu Stadt und von Markt zu Markt. Auch das Christentum bediente sich im Mittelalter des Figurentheaters zur Verbreitung des Glaubens. Die Kirchenväter duldeten die Aufführung von Schäferspielen vor den Kirchen, lehnten hingegen Menschentheater ab. Um 1600 entstand der Begriff Marionette, eine liebevolle Verkleinerungsform des Namens der Jungfrau Maria, wie zum Beispiel im Schäferspiel „Robin et Marion“. Die Araber, denen der Glaube die Darstellung von Menschen verbot, kannten kein Menschentheater, sondern erlaubten nur Figurentheater.

In Asien, im antiken Griechenland und in Rom war das Spiel mit Figuren bereits ein Beruf, ebenso bei den fahrenden Leuten des Mittelalters. Die Berufsschauspieler des 17. und 18. Jahrhunderts waren Menschendarsteller und Puppenspieler zugleich. Zunehmend spielten sie auch auf königlichen Höfen und Schlössern. Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die bürgerliche Gesellschaft in zunehmendem Maß die geistige Führung übernahm, beschäftigten sich immer mehr gebildete Laien mit dem Puppentheater.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat neben die vielfältigen Formen des Figurenspiels eine neue: das künstlerische Puppenspiel. Vielseitige Künstler mit großem handwerklichen Geschick schufen zuerst Figuren, dann Spielbühnen mit allen Erfordernissen. Anfangs bewegten sie sich noch in volkstümlichen Kreisen, seit dem Ende des Ersten Weltkrieges schlossen sie sich immer stärker den herrschenden Kunstrichtungen an. Neue Ideen, die Technik des Lichts und des Tons wurden in den Dienst vor allem der Marionette gestellt.

Die Geschichte des Salzburger Puppenspiels

In der Chronik der Salzburger Puppengeschichte stoßen wir ebenfalls früh auf zahlreiche wandernde Puppenspieler. Der berühmteste unter ihnen war Johann Peter Hilverding, der 1673 erstmals als Theaterfachmann an den erzbischöflichen Hof nach Salzburg kam. Sein Sohn Johann Baptist Hilverding hatte die Idee, den Pulcinella, die lustige Figur der Commedia dell'arte, die in fast allen Kulturen in den verschiedensten Formen und Namen vorkommt, in eine bäuerliche Umgebung zu stellen: den „Sauschneider“.

Sauschneider waren Leute, die auf Grund ihres Berufes im Salzburger Land von Hof zu Hof wanderten und so lustige und traurige Geschichten erzählen konnten. Sie kleideten sich grell und bunt und spielten gleichsam die „Hofnarren“ der Bauern. Sie wurden zum Vorbild für den berühmten Hans Wurst auf Hilverdings Marionettenbühne. Dieser Hanswurst wurde zum Sinnbild des Puppentheaters im süddeutschen Raum und gab ihm später als Kasperl seinen populären Namen. Josef Anton Stranitzky (1676-1726), ein Wanderschauspieler aus Augsburg, hatte die Idee, diesen Hanswurst nicht nur auf der Marionettenbühne sondern auch auf der Menschenbühne auftreten zu lassen. Er selbst spielte ihn mit so großem Erfolg, dass er wenige Jahre später sogar Direktor des Wiener Theaters am Kärntner Tor wurde. Sein Hanswurst wurde zur Schlüsselfigur des österreichischen Volkstheaters. Von ihm leiten sich viele hundert Kasperlfiguren ab und in gewissem Sinn auch der Papageno der „Zauberflöte“. Mozart, der dieser Figur ewiges Leben gab, hat ganz sicher als Kind in Salzburg das alte Marionettentheater und natürlich auch den Hanswurst gekannt.

So hat Anton Aicher, der Gründer des Salzburger Marionettentheaters, mit seinem Kasperl eine alte Salzburger Tradition wieder aufleben lassen. Den entscheidenden Impuls gab ihm Josef Leonhard Schmid, der zusammen mit Franz Graf Pocci 1858 in das Münchner Marionettentheater gründete. Anton Aicher holte sich bei Schmid die notwendigen Anregungen, um 1913 sein eigenes Marionettentheater in Salzburg aufbauen zu können.

 

http://www.marionetten.at/marionetten09/index.php – 17-05-2012